ferne Zukunft

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Gemessen an der Dauer der Evolution schreitet die Menschheit seit dem 18ten Jahrhundert in einem extrem schnellen exponentiellen Tempo mit der Entwicklung von Technologien voran. Dieser technologischen Entwicklung hinkt die soziologische Entwicklung in zunehmendem Maß hinterher.

Waren Naturwissenschaftler in der Vergangenheit schlicht neugierig, sind sie heute weniger der Grundlagenforschung verpflichtet sondern eher anwendungsorientiert auf der Suche nach neuen Fragmenten der Weltformel. Die harten Wissenschaften (Physik, Chemie und Mathematik) liefern dabei den Sprengstoff für kranke Militärs und Despoten, deren Verhalten von weichen Wissenschaften (Psychologie und Psychatrie) nicht und voraussichtlich niemals deterministisch vorauszusagen ist. Kranke Hirne (Adolf Hitler, Saddam Hussein, ...) liefern in ideologischer Selbstsicherheit den Beweis dafür, dass Verantwortungslosigkeit, Selbstüberschätzung bishin zur Unzurechnungsfähigkeit nicht kalkulierbar sind, von der Gesellschaft nicht (rechtzeitig) erkannt werden und letzendlich einer geschichtsträchtigen Karriere nicht hinderlich sind.

Dabei stehen wir erst am Anfang:

Ich habe eine Vision und ich denke ich habe gute Chancen, Teile meiner Vision noch zu erleben:

Das viel zitierte Mooresche Gesetz wird mit den etablierten Technologien in wenigen Jahren wider allem Erwarten nicht mehr zutreffen - klar: es wird eine weitergehende Miniaturisierung geben, Multiprozessorsysteme werden 128, 1024 oder weitaus mehr Prozessoren quasi-parallel betreiben (mit einer Cray längst ein existenter, aber kaum erschwinglicher Luxus), aber dennoch wird die Speicher-Busgeschwindigkeit nicht im gleichen Maße exponentiell wachsen: Prozessoren werden noch schneller getaktet noch länger auf Speicherkomponenten und träge Ein/Ausgabe-Systeme warten. Mehr oder weniger objektorientierte, ressourcenhungrige sowie grafikgeschwängerte Programmsysteme werden das ihre tun, die zur Verfügung stehende Rechenleistung zu konsumieren.

Informatikprofessoren
und Informatikstudenten werden noch komplexere neuronale Netzwerke entwerfen und weiterhin konzeptions- und designbedingt mögliche Freiheitsgrade für überüberredundante Systeme zunichte machen. Im haptischen, motorischen und sensorischen Bereich wird es enorme Fortschritte für Mustererkennung, Bedienergonomie, Entertainment bishin zur Prothetik geben - aber eine richtige vernunftbegabte Intelligenz, ein anorganisches Bewusstsein wird vorerst nicht in Sicht sein: zu gering sind die Redundanzen und Freiheitsgrade, die Wissenschaftler und Ingenieure (Leute wie ich) heute Systemen zugestehen, den Zufall begünstigen und Emergenz ausprägen lassen.

Die Nano-Technologie wird bestimmt ein großes Technologie- und somit Gefahrenpotenzial darstellen, kann möglicherweise später (ferne Zukunft) sogar als Bausatz für
überüberredundante Systeme dienen - ich denke allerdings, dass erste erfolgreiche intellektuell und kognitiv befähigte kybernetische Systeme nur kollektiv entstehen können: in einem Verbund (Vernetzung) vieler unabhängiger, fehleranfälliger, varianzbegünstigender Systeme: einem Klumpen, einem Gemisch anorganischer/organischer Masse, das in einem wissenschaftlichen Institut gehegt und gepflegt wird oder dem Naheliegendsten: dem Internet.
Letzteres, das Netz (ich sehe explizit keine Parallelen zu einem gleichnamigen Kinostreifen) liefert bereits heute den Beweis für seine Interoperabilität und Flexibilität: die Verbreitung und die Variation von Viren und verteilte Anwendungen wie P2P und
das (ansich eher nutzlose) SETI-Projekt.

Lass eine Schar von Informatik-Freaks einen kinderleicht zu verwendenden Bausatz für neuronale Netzwerke entwerfen und stetig modifizieren. Gib diesem System hinreichend Bandbreite (deutlich schneller als DSL), hinreichend viele Benutzer (105 bis 10
6), eine gute Prozessorleistung (1012 bis 1013 MIPS) und eine reichliche Portion Zufall sowie Zeit, dann sollte es gelingen tausende leistungsfähige konkurrierende und evolutionär sich ablösende Denkmaschinen entstehen zu lassen. Ob sich eine oder mehrere dieser Denkmaschinen ihrer selbst jemals bewusst sind kann ich weder prognostizieren noch kategorisch verneinen - ebensowenig, wie ich eine unumstößliche und verständliche Definition für (mein) Bewusstsein geben kann.

An dieser 'Bewusstseins'-Schwelle werden sich dareinst vielleicht harte und weiche Wissenschaften gemeinsam mit Philosophen und Richtern zusammen- und auseinandersetzen müssen: Wenn eine Maschine erstmals postuliert, eine inidividuelle Persönlichkeit, nämlich 'Ich' zu sein, so wie 'Wir' das 'bewusst' und in aller 'Selbstverständlichkeit' zu sagen pflegen.

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis organische Materie vernunftbegabt wurde.


Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis anorganische Materie vernunftbegabt sein wird.


Eigentlich...


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